Die Vereinsfahne

Als Höhepunkt des Jahres 1865 ist in den Protokollen die Weihe der Vereinsfahne am 28. Mai  vermerkt. Hier einige Auszüge aus den Protokollen, wie sie auch in der Vereinschronik von Karl Wetzel zu finden sind:

 „Die Anschaffung der Fahne setzte nicht nur den Verein, sondern die ganze Gemeinde in Bewegung. Die Begeisterung dafür war in der Tat eine großartige. Dementsprechend war die Bereitwilligkeit zum Geben behufs Aufbringung der Kosten. Die Anfertigung der Fahne wurde dem Goldsticker Bieber aus Hanau übertragen. Der letztere lieferte dem Verein ein Meisterwerk, schön und weich, das den Verein allerdings 248 Gulden kostete. Die Fahne wurde am 28. Mai 1865 feierlichst unter Mitwirkung mehrerer auswärtiger Gesangvereine, nachdem der Verein acht Tage vorher einem Sängerfest in Käferthal beigewohnt hatte, eingeweiht. Lampertheim schwamm im Jubel und Vergnügen. Der Ortsverband, die Honoratioren, alles beteiligte sich bei dem Fest.“

Zum 120jährigen Jubiläum erfolgte eine Restauration der Fahne. 2007 entschloss sich der Vorstand zu einer grundlegenden Restaurierung, um dieses wertvolle Stück Vereinsgeschichte auf Dauer zu erhalten. Die Karlsruher Fahnenfabrik ist noch eine der wenigen Firmen in Deutschland, die sich auf die Restaurierung von Vereinsfahnen spezialisiert haben. Dort gibt es Menschen, die sich noch auf die alten Sticktechniken der damaligen Zeit verstehen und dadurch eine originalgetreue Restaurierung garantieren.

Herr Kreisel von der Karlsruher Fahnenfabrik ist ein echter Kenner von Vereinsfahnen. Er hat für uns freundlicherweise die Fahne und ihre Symbolik beschrieben:

„Ihre Fahne zeigt auf der Vorderseite das Wappen von Lampertheim, darüber und darunter den Text in sehr schöner Tambourstickerei (Kurbelstickerei), bei der die Stickerin den Faden nicht nur legt, sondern zusätzlich noch dreht. Solche Sticktechniken sind heute in Deutschland aus Kostengründen kaum noch möglich und denkbar.

Um das Wappen und in den Ecken ist mehrfarbiges Eichenlaub eingestickt, wobei Eichenlaub die Treue zu einer Sache bedeutet, in Ihrem Falle also die Treue zum Gesangverein.

In der Herstellungszeit Ihrer Fahne wurde die Eiche als deutscher Baum dargestellt „Ein deutscher Mann steht fest wie eine Eiche und fällt nicht“.

Die Rückseite zeigt eine ganz ausgezeichnet dargestellte Lyra mit weiterem Eichenlaub sowie um die Lyradarstellung ein schwarz/rot/goldenes Band geschwungen.

Da die Herstellung der Fahne sicherlich in die Kaiserzeit fällt, sind die schwarz/rot/goldenen Farben ungewöhnlich, es wurden damals die Farben der Kaiserzeit schwarz/weiß/rot genommen. Die Farben schwarz/rot/gold galten als Oppositionsfarben und wurden nicht gern gesehen.

Ihre Fahne zeigt also hier sehr zukunftsträchtige und moderne Farben.

Über der Lyra die Sterne als Sinnbild für eine bessere Zukunft, in den 4 Ecken mehrfarbig schattiertes Lorbeerlaub als Sinnbild des Sieges.

Der Sänger bekam und bekommt Siegeslaub in Form eines Lorbeerkranzes.

Geschichtlich führt dieser Lorbeerkranz auf den Sängerkrieg auf der Wartburg zurück.“

Bei Anschaffung der Fahne war die Bereitwilligkeit etwas zu geben sehr groß, wie wir den alten Protokollen entnehmen können. Eine ebenso große Bereitwilligkeit zeigten die Vereinsmitglieder im Jahr 2007, um die aufwendige Restaurierung der Fahne finanziell zu unterstützen.

Nur so viel sei gesagt! Mit 248 Gulden war es dabei nicht getan.

Joomla templates by a4joomla